Z-Bahn-Surfen in Indonesien

Action & Fun auf 750 mm in Indonesien: An dem von der Dampflok Nr. 3 (Berliner Maschinenbau AG 1931) geführten Zug der Zuckerfabrik PG Trangkil betreibt die örtliche Jugend eine Runde „Zucker-surfen“. Immerhin deutlich gesunder als das im Westen manchmal betriebene „S-Bahn-Surfen“. Und Spaß macht es erkennbar auch.

Die Zuckerfabrik Trangkil (750 mm) liegt 12 km nördlich von Pati in der Nähe der Hauptstraße nach Tayu. 2002 gab es dort noch den Zuckerrohr-Transport per Bahn. Der abwechslungsreiche Betrieb wurde mit einer Diesellok und drei Dampfloks abgewickelt. Hier war die Satteltanklok Nr. 4 vor dem „Surf-Zug“. Sie wurde 1971 bei Hunslet gefertigt und ist damit die letzte in England gebaute Dampflokomotive.

Surfen auf der Zuckerbahn in Indonesien

Die Erntesaison beginnt im Westen Javas Anfang/Mitte Mai und dauert bis Ende August. Im äußersten Osten Javas verschiebt sich die Ernteperiode auf Ende Mai/Anfang Juni bis Ende September. In der Erntesaison laufen die Fabriken täglich rund um die Uhr, auch freitags und sonntags.

Mittlerweile gibt es in Java kaum noch Fabriken mit Bahnbetrieb, zumindest nicht mehr bei der Abholung von den Feldern. In den Fabriken wird ab und an noch ein wenig rangiert, aber fast alles läuft mittels Traktoren und LKWs.

Mittlerweile vermutlich interessanter ist bei einigen Werken das Innere der Fabrikhallen, wobei die stationären Dampfmaschinen den Fuhrpark der Loks – soweit noch vorhanden – an Alter oft noch übertreffen. Die kräftigsten und imposantesten Maschinen stehen an den Pressen, aber auch an anderen Stellen wird Dampfkraft zum Pumpen, Schleudern oder Schütteln genutzt.

Als Brennstoff verwendet man in den meisten Fabriken die Bagasse, den getrockneten organischen Abfall aus der Zuckerrohrpresse.

Für das Betreten der Werksanlagen ist in der Regel eine Genehmigung erforderlich. Die Genehmigung für den Besuch der meist staatlichen ‚Pabrik Gulah’ (PG, Zuckerfabrik) wird gegen Gebühr durch die zuständige Direktion (PTP) bei schriftlicher oder mündlicher Voranmeldung ausgestellt. Die Kosten für die Genehmigung lagen 2002 je nach Direktion zwischen umgerechnet zwei bis fünf US-Dollar pro Besucher. Während der normalen Bürozeiten wird die Genehmigung meist auch direkt bei den Mühlen ausgestellt. Man erhält bei dieser Gelegenheit allerdings mitunter einen zeitintensiven Einblick in die Funktion der lokalen Bürokratie. Besuchern ohne Genehmigung bleibt der Zugang zu den Streckeneinsätzen und einigen LKW-Umladebahnhöfen, sie verpassen aber die Sehenswürdigkeiten in den Fabrikhallen.

In der Ausgabe 78 aus 2003 der Zeitschrift „Fern-Express“ (s.a.: https://FERN-Express.de…, noch lieferbar) ist – neben Reiseberichten – eine Übersicht der damals per Bahn mit zumindest teilweisem Dampflokeinsatz betriebenen Zuckerfabriken aufgelistet. Auch diese Infos stammen aus dem Heft, Verfasser: Andreas Illert.

Die klassische Form des Betriebs nutzte damals ein weit verzweigtes Streckennetz im Umkreis von bis 10 Kilometern um die Fabrik. Die Hauptstrecken verlaufen oft parallel zu Straßen.

Falls die erntereifen Felder nicht unmittelbar an einer der Hauptstrecken liegen, werden provisorische Anschlüsse in die Felder gelegt. Hierzu verwendet man Gleisjoche mit einfachen Metallschwellen. Die Gleisjoche werden verschraubt und an das Hauptgleis mit einer Kletterweiche angeschlossen. Die Fabrik stellt morgens mit einer Lok die leeren Loren zu. Über die provisorischen Anschlussgleise werden die Loren mit Traktoren, Ochsen oder Wasserbüffeln zum Zuckerrohr gezogen. Das dürfte bis heute mancherorts überlebt haben, das heißt also: die Vorgänger der Dampfloks, die Vor-Vorgänger der Dieselloks und die Vor-Vor-Vorgänger der Traktoren sind immer noch aktiv …

Das Ernten des Rohrs erfolgt grundsätzlich in Handarbeit. Große Erntemaschinen wie in Kuba waren 2002 auf Java nicht gebräuchlich. Die Arbeiter laden das geschnittene Rohr in Bündeln längs auf die Loren. Nach Feierabend ziehen die Traktoren, Ochsen oder Büffel die beladenen Loren zurück auf die Hauptstrecke, meist verbunden mit einer Serie von Entgleisungen. Irgendwann am späten Nachmittag oder in der Nacht holt die Fabrik die fertigen Züge mit ihren Loks ab. Das geschnittene Zuckerrohr kommt auf der Straße zum Werk. In der Nähe der Zuckerfabrik befindet sich ein Umladebahnhof, wo das Zuckerohr von einem Kran mit Ketten aus dem LKW gehoben und in eine Lore gepackt wird. Die Lorenzüge befördern das Zuckerrohr bis zur Fabrikhalle an den Brecher, wo ein weiterer Kran das Zuckerrohr mittels Ketten auf das Förderband der Fabrik hebt. Ein Teil der Lorenzüge wird in der Fabrik geparkt und erst in den ruhigen Nachtstunden zum Entladen gefahren.

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