Nachrichten – Fern-Express Heft 2/2026

AFRIKA

Ostafrika erlebt einen neuen Schienenboom und der Hafen von Mombasa ist das wirtschaftliche Herzstück, doch das Hinterland bleibt schwer erreichbar. Eine Eisenbahn soll das ändern. Kenia hat den Bau der Normalspur-Eisenbahn SGR (Standard Gauge Railway von Naivasha bis zur ugandischen Grenze bei Malaba) wieder aufgenommen, nachdem das Projekt sechs Jahre lang wegen ausgetrockneter Chinesischer Kredite brach gelegen hatte. Die Strecke ist das Kernstück eines  Handelskorridors, der Uganda, Ruanda, die Demokratische Republik Kongo und den Südsudan mit dem Indischen Ozean verbinden soll. Die Verbindung Mombasa – Malaba würde die Transitfrachtkosten um rund ein Drittel senken und die Reisezeit zwischen Kampala und Nairobi von 14 auf etwa vier Stunden kürzen.

Im Norden verfolgt Kenia eine noch weitreichendere Schienenambition: den Lamu-Port-South-Sudan-Transportkorridor (LAPSSET), das größte

Infrastrukturprojekt Ostafrikas. Eine 3000 Kilometer lange Standardspur-Strecke soll den baulich fertiggestellten, aber noch unvollständigen Hafen von Lamu mit dem Landesinneren verbinden und sich in drei Äste aufteilen: nach Addis Abeba, nach Juba im Südsudan und nach Nairobi, wobei Äthiopien der größte Nutznießer sein wird, da es Anfang der 1990er Jahre mit der Unabhängigkeit Eritreas seinen Meereszugang verlor.

(Tracknews vom 19.03. 2026)

Angola

Die rund 1300 km lange Benguelabahn vom Hafen Lobito bis zum Grenzbahnhof Dilolo in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) wurde mit chinesischer Hilfe saniert und befindet sich in gutem Zustand. Die USA wollen sich an der Sanierung  der Strecke Dilolo – Lubumbashi – Sakania  (Grenze zu Sambia) beteiligen. So können sich die USA den ganzen 2362 km langen Korridor von Lobito über Dilolo und Lubumbashi bis Sakania am Rande des „Copper-Belt“  für bevorzugte Transporte sichern.

Darauf hat China sofort reagiert und einen Vertrag zur Sanierung der 1852 km langen Strecke  Dar-es-Salaam – Kapiri M’Poshi (die bekannte TAZARA) mit Tansania und Zambia geschlossen. Somit kann sich China  ebenfalls den preiswerteren und schnelleren Zugang  zu den Bodenschätzen des „Copper-Belt“ (Kupfer, Kobalt und mehr) sichern. Ob es auch Verbesserungen im Personenverkehr geben wird, wird Sache der Staaten entlang der ganzen über 4400 km langen Transafrikanischen Ost-West-Achse sein.

(Tracknews vom 19.03.2026)

SÜDAMERIKA

Argentinien

Die Fernzüge von Buenos Aires nach Tucuman, Cordoba und Bahia Blanca bleiben stillgelegt. Ebenso bleiben die Regionalzüge Cordoba – Villa Maria und Rosario – Canada de Gomez stillgelegt. Dies hat dazu geführt, dass die Reisendenzahlen stark abnehmen, obwohl die Züge für große Teile der Bevölkerung das einzige bezahlbare Transportmittel sind.

Tren Patagonico: Anfang März 2026 wurden zwei Dreiwagenzüge in die Werkstätten Tolosa bei Buenos Aires überführt, um sie für einen Einsatz in Patagonien herzurichten.

(FCNews vom 19.03.2026)

Brasilien

Für die Hochgeschwindigkeitsbahn Rio de Janeiro – Sao Paulo – Campinas wurden, nach fast zehn Jahren, alle Umweltgutachten erstellt und sie belegen, dass die Bahnstrecke  bis auf einige kleine Änderungen für Geschwindigkeiten bis 300 km/h gebaut werden soll. Aufnahme der Arbeiten Ende 2026 und Inbetriebnahme 2032, Kosten zwischen 10 und 20 Mrd. US Dollar.

(FCNews vom 19.03.2026)

Bolivien

Die Gesellschaft Ferrocarril Oriental, welche die Strecken ab Santa Cruz de la Sierra südwärts nach Yacuiba an der Grenze zu Argentinien, ostwärts nach Puerto Quijarro an der Grenze zu Brasilien und nach Norden bis Montero betreibt, hat am 27.02.2026 den Personenverkehr zwischen Santa Cruz und Quijarro nach einer Unterbrechung von 6 Jahren (!) wieder aufgenommen. Vorerst verkehrt ein zweiteiliger, modernisierter Schienenbus der Marke Ferrostaal. Die Fahrzeit beträgt 14 Stunden über Nacht. Pro Fahrt werden 42 Sitzplätze angeboten. Ab Mai 2026 soll eine weitere, dann lokbepannte Verbindung mit mehr Zwischenhalten angeboten werden mit jeweils 180 Sitzplätzen und günstigeren Fahrpreisen.

Immer noch in Planung ist die Verbindung zwischen den beiden isolierten Bahnnetzen Oriental im Westen und Andino im Osten. Die sinnvollste Version verläuft von Oruro über Cochabamba, Aiquile und Montero zum Knotenpunkt  Santa Cruz de la Sierra. Neu zu bauen wäre dann nur der Abschnitt Aiquile – Santa Cruz. Allerdings liegt der 216 km lange Abschnitt von Cochabamba bis Aiquile seit 6 Jahren brach und befindet sich in erbärmlichem Zustand.

(FCNews vom 19.03 2026)

Chile

Am 3. März 2026 nahm EFE den regulären Betrieb mit einem der neuen Marco Polo Triebwagen auf der Strecke Talca – Constitucion auf. Der Frühzug ab Talca und der Abendzug ab Constitucion werden nun mit einem der neuen Triebwagen gefahren. Das zweite Zugpaar wird noch mit einer alten Schienenbusgarnitur gefahren. Noch laufen Erneuerungsarbeiten an den elf Zwischenstationen.

Die 28 km lange Nebenlinie von Antilhue nach Valdivia war einige Jahre außer Betrieb. Nach Reparatur verkehrte am 21.02.2026 erstmals wieder ein Dampfzug. Auch außerhalb der Sommersaison, also in den Monaten ab März, sollen einzelne Fahrten angeboten werden.

(FCN vom 19.03.2026)

Kolumbien

Das Transportministerium hat für die 522 km lange Strecke im Tal des Rio Magdalena von La Dorada nach Chiriguana die Erlaubnis für Schienenpersonenverkehr erteilt. Wer wann einen solchen Verkehr einrichten wird, weiß man noch nicht. (FCN vom 19.03.2026)

Uruguay

Vor 23 Jahren wurde der altehrwürdige Kopfbahnhof der Hauptstadt  Montevideo wegen  eines Immobiliendeals stillgelegt und durch eine kleine nichtssagende Station beim Telecomturm  (Torre Antel) ersetzt. Die Schließung des großen, stilvollen Hauptbahnhofs war der Todesstoß für den Personenverkehr nach 25 de Agosto und Victor Sudriers. Ein Verein zur „Verteidigung des Hauptbahnhofs“ hat wieder auf diesen Skandal hingewiesen. Zusammen mit der Genossenschaft AIFFLA kämpft er weiterhin für die Wiedereinrichtung des Personenverkehrs ab und bis Montevideo.

(FCN vom 19.03.2026)

Paraguay

Ausgerechnet die Vereinigten Arabischen Emirate mit ihrem Bahnunternehmen Etihad Railways bieten sich an, eine 44 km lange Stadtbahn auf der alten Bahntrasse bis in den Vorort Ypacarai zu bauen. Man rechnet mit 44.000 Passagieren pro Tag bzw. rund 15 Mio. im Jahr. Für die Hauptstadt Asuncion ist eine Alternative zum Straßenverkehr dringend nötig, denn die Stadt steht kurz vor dem Verkehrskollaps.

(Tracknews vom 19.03.2026)

Nordamerika

USA − Big Boy ist back!

Zu den Feierlichkeiten in den USA wurden je eine „West-“ und eine „Osttour“ geplant. Die Westtour lief von Ende März bis Anfang Mai. In Etappen wurde von Cheyenne, wo der Big Boy beheimatet ist, die Reise nach Sacramento und dann zurück angetreten. Alle 2 bis 3 Tage war ein Ruhetag eingeplant, teilweise mit Ausstellungen und Besichtigungsmöglichkeiten verbunden.

Die Fahrt war sehr kontrovers: Der Autor nahm teilweise als „Verfolger“ teil, eine Mitfahrt im Zug war leider nicht möglich. Das Wetter schwankte zwischen Schneestürmen (bis Ende April! Die Rückfahrt via Donnerpass wurde wegen eines Schneesturms, der auch zur Sperrung des Highways führte, leider nochmals über das Feather River Valley geleitet. Was DA auf der Straße los war, wollte ich gar nicht erst wissen …) und frühsommerlicher Hitze. Die Rückfahrt durch den Echocanyon (die Hinfahrt war beim Schneesturm sehr entspannt, brachte allerdings kaum verwendbare Fotos, s.o.) war das Schlimmste,

was ich bisher an „Verfolgungsfahrten“ erlebt habe, inklusive einer Beinah-Massenkarambolage, die nur um Sekundenbruchteile abgewendet wurde. Ca. 500 Autos waren auf dem Highway und parallel auf der Echo-Canyon-Straße beteiligt. Folge: Eine Fotomöglichkeit auf 30 Meilen … Gut waren die Ausstellungstermine, bei denen meistens (nicht immer) die Sicherheitsbehörden ein Auge zudrückten, um gute Fotomöglichkeiten zu schaffen.

Erwähnenswert − in deutschen Landen, aber auch im AMTRAK-Vergleich − war die Pünktlichkeit, fast immer auf ca. 10 Minuten genau, oftmals noch besser. Die Lok ist hervorragend eingestellt, was leider kaum Rauchentwicklung brachte. Am besten waren so bei den Fotos die Dampfeffekte in den frühen Stunden der Wintertage.

Die Osttour beginnt am 25. Mai und endet am 29. Juli. Die Strecke ist deutlich länger und die Anzahl der Stationen deutlich höher. Die Probleme im Bereich der Großstädte – im Westen nur sehr partiell aufgetreten – werden im Osten häufiger sein. Link dazu: https://www.up.com/about-us/history/steam/schedule

Wer in dieser Zeit im Osten der USA ist, kann ja mal in die Fahrpläne schauen, ob ein paar Tage da mitzunehmen sind. Die größte noch aktive Dampflok − wenn auch vor einem Zug, der sie völlig unterfordert − live zu sehen, ist ein Erlebnis, das man sich gönnen sollte.

(FE/KWK)

(Bildtext zu „Big Boy“)

Einerseits: Statt des erhofften Sonnenscheins vor den sehenswerten Felsformationen des Echocanyons herrschte hier bei der Durchfahrt auf dem Weg nach Salt Lake City „herrlichstes deutsches Bastelwetter“ inklusive eines mittleren Schneesturms.

Andererseits: Sonnen-aufnahmen bei solchen Landschafts-hintergründen kann jeder, bei DIESER Wetterlage wurde es zur Herausforderung für den Fotografen und Photoshop, welche – zur Überraschung von Karl-W. Koch – tatsächlich zu bestehen war … (2. April 2026)